Maßanzüge

Vieles wird heute als Maßkleidung bezeichnet. Doch nur der Anzug vom Schneider weist die Merkmale auf, die den echten Maßanzug ausmachen: Er entsteht auf Basis eines Schnittmusters, das der Schneider eigens für den Kunden konstruiert. Er wird von Hand zugeschnitten, mit vielen Handstichen genäht, die Vorderteile sind mit loser Rosshaareinlage unterlegt. Und: Seine Passform wird bei Anproben perfektioniert.

Das Schnittmuster bei einem Maßanzug berücksichtigt die Körpermaße, die Haltung und die Proportionen. Es orientiert sich aber auch daran, welches Tragegefühl sich der Kunde von seinem Anzug wünscht, zu welchen Gelegenheiten er ihn tragen will und natürlich an dessen stilistischen Vorstellungen.

Ein Maßanzug kann geräumig oder dicht am Körper geschnitten sein. Er kann Präsenz verleihen oder unauffällig bleiben. Er kann Würde ausstrahlen, Souveränität oder Distinguiertheit, eine sportliche Figur unterstreichen oder Untersetztheit kaschieren. Immer aber ist der Maßanzug auf stille Art sehr elegant.

Mit Hilfe von Nadel, Faden, Schere und Bügeleisen verwandelt der Maßschneider die zweidimensionale Stoffbahn in ein Kleidungsstück, formt sie mit Wasser, Dampf und Hitze, modelliert das Tuch bei den Anproben am Körper des Kunden. Was als Idee im Kopf des Kunden begann, materialisiert sich in über sechzig Stunden konzentrierter Arbeit und es entsteht ein Maßanzug, der sofort so vertraut ist wie ein alter Freund.

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